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Geriatrische Tagesstätte Bingen

13.04.2011, Ein zweites Zuhause für Senioren

Geriatrische Tagesstätte Bingen
Am Fruchtmarkt
655411 Bingen am Rhein
Telefon: 06721/ 40897 22
Email: gts-bingen@rfk.landeskrankenhaus.de

 

Fachpersonal begutachtet neues Angebot / Unterstützung von Demenzpatienten und Angehörigen

Auch bei der Pflege alter Menschen gibt es kein Schwarz und Weiß. So ist die scheinbar unausweichliche Alternative von „zu Hause“ oder „Pflegeheim“ nur die halbe Wahrheit. Denn dazwischen liegen viele Graustufen, die ein differenziertes Bild von den körperlichen und mentalen Einschränkungen älterer Menschen abbilden.

Und so etablieren sich auch zwischen den Alternativen der rein häuslichen Unterbringung oder stationären Aufnahme Angebote, die der Lebenssituation vieler alter Menschen Rechnung tragen möchten. Neu in Bingen ist deshalb nun ein Tagespflegeangebot am Fruchtmarkt 6, das von den psychiatrisch und heilpädagogischen Heimen der Rheinhessen-Fachklinik Alzey am 3. Mai offiziell eröffnet wird.

Mit 15 Plätzen bietet die Einrichtung den Gästen ein umfassendes Betreuungs- und Pflegeangebot, das von der medizinisch-pflegerischen Versorgung, über Kreativangebote bis hin zu Beratungen im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung reicht. Angesprochen von dem Angebot sind Senioren mit gerontopsychiatrisch-/geriatischen Beeinträchtigungen, mit Pflegebedürftigkeit oder die einen geregelten Tagesablauf beziehungsweise ansprechende Beschäftigung wünschen.

„Das ist natürlich auch eine große Unterstützung für die ganze Familie. Ältere Menschen beispielsweise mit Demenz können oft nicht alleine zu Hause bleiben. Die Tagesstätte macht flexible Betreuungsangebote, so dass auch wieder für die Familien Freiräume und Entlastung entsteht“, schildert Dr. Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhaus, in dessen Trägerschaft unter anderen auch die Fachklinik Alzey geführt wird. Dabei geht es um wesentlich mehr als eine bloß nette Beaufsichtigung. Inzwischen weist beispielsweise die Demenzforschung nach, wie ein strukturierter Tagesablauf, kreative Ansprachen und die Interaktion in einer Gruppe stabilisierend und fördernd wirken.

„Ansatzpunkte liegen auch in der Biographie, da gibt es in der Erinnerung Haltepunkte, es sind biographieorientierte Rituale“, sagt Frank Müller, Pflegedirektor und Heimleiter. So können Kinderlieder oder das Erzählen von „Früher“ genauso belebend wirken wie das Kartoffelschälen beim gemeinsamen Kochen. „Verschüttete Aktivitäten“ werden so wieder wachgerufen. Ein erfahrenes Team aus der Fachklinik steht den Senioren zur Seite. Ein regelrechter Neubürger ist die Einrichtung insofern nicht, als sozusagen um die Ecke bereits die Tagesstätte für chronisch psychisch Kranke mit der angeschlossenen Wohngruppe existiert.

Bettina Vogel-Guth weiß von ihren Gästen zu berichten, dass es schon manchmal Überwindung und Überzeugungsarbeit kostet, das vertraute Heim zu verlassen und die Tagesstätte aufzusuchen. „Viele alte Menschen haben immer die Angst, dass sie nicht mehr abgeholt und abgeschoben werden. Aber die Erfahrungen in einer Tagesstätte sind dann positiv“, sagt sie. Gerade in der Gruppe mobilisierten viele Energien, die zuhause alleine versanden würden. Angehörige bestätigten, dass Vater, Mutter, Oma, Opa ausgeglichener seien, wenn sie von einem solchen Tagesaufenthalt zurück kehrten. Denn auch das dürfe nicht verschwiegen werden, meint Dr. Gaß: Für eine Familie könne die Belastung durch ein pflegebedürftiges Mitglied zu einer Zerreißprobe werden, zumal demente Patienten bis hin zur Aggressivität uneinsichtig sein könnten.

Bei einer Eingruppierung in eine Pflegestufe, zahlt die Pflegekasse anteilig den Aufenthalt in der Tagesstätte, der 38 Euro kostet. In näherer Umgebung zählt ein Fahrdienst kostenlos dazu. Obwohl die neue Einrichtung eine Lücke schließt, ist sich Dr. Gerald Gaß zugleich sicher: „Der Bedarf ist höher als die Angebote.“

Allgemeine Zeitung, 13. April 2011

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