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Für Bewohner „Highlight des Tages“

06.07.2018, ALLTAGSBEGLEITERIN Annette Komnick betreut nach Umschulung Pflegebedürftige „An der Gänsewiese“

Von Stefanie Widmann

ALZEY Annette Komnick ist glücklich und sie strahlt es auch aus. Mit 57 Jahren hat die Wöllsteinerin einen neuen Job, der ihr richtig Spaß macht. Seit Mai arbeitet die liebenswürdige Dame als Alltagsbegleiterin in der Wohn-Pflege-Gemeinschaft „An der Gänsewiese“, einer Einrichtung der Rheinhessen-Fachklinik (RFK). „Es ist so schön, Menschen etwas zu geben, man kann helfen und bekommt sehr viel zurück. Dafür bin ich dankbar“, sagt Komnick und kann die Frage mancher Bekannter, wie sie das denn schafft, mit dementen Menschen zu arbeiten, gar nicht verstehen. Bereits in jungen Jahren hatte sie einmal einen Mann im Rollstuhl betreut und auch ihre Mutter bis zuletzt gepflegt; der Umgang mit Alten liegt ihr.

Je nach Schicht hilft Komnick dem Pflegepersonal beim Waschen und Anziehen der Bewohner, je nachdem, was nötig ist. Beim Frühstück schmiert sie dem einen oder anderen das Brot, vor allem aber ist sie einfach da, hört zu und animiert die zehn zwischen 60 und 92 Jahre alten Mitglieder ihrer Gruppe zu Gesprächen und zum gemeinsamen Singen. „Ich kann da meine eigenen Ideen einbringen, und das macht besonders viel Spaß“, erläutert die 57-Jährige. Auch eine gemeinsame Zeitungsrunde oder thematisch angesetzte Gespräche, die Erinnerungen an früher lebendig werden lassen, sind bei den in verschiedenem Maße dementen Bewohnern beliebt.

„Das ist es, was wir in der Pflege wollen“, sagt die pflegerische Bereichsleiterin Monika Kleinert, die sich über den Neuzugang freut und gerne noch drei bis vier Alltagsbegleiter einstellen würde, wenn sie nur da wären. Denn die Pflegefachkräfte, die eine dreijährige Ausbildung absolviert haben, hätten in der Regel gar keine Zeit für Zuwendung und persönliche Gespräche. Die Vergütungsschlüssel seien so angelegt, dass sie mit der eigentlichen Pflegearbeit dann häufig nicht über die Runden kämen.

Die Ausbildung als Alltagsbegleiter, wie sie Komnick beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), einem gemeinnützigen Weiterbildungsverein, absolvierte, dauert nur ein halbes Jahr und ist gleich zu Beginn mit einem Praktikum verbunden, das die Kursteilnehmer schnell erkennen lässt, ob sie die richtige Wahl getroffen haben. „Die passgenaue Qualifizierung ist ganz im Sinne der aktiven Arbeitsmarktförderung, wie sie von uns erwartet wird“, sagt Ilka Huber, Geschäftsführerin des Jobcenters Alzey-Worms. Mehrere 1000 Euro koste eine solche Fortbildung, dazu Fahrtkosten, Arbeitsmaterial. „Diese Kosten haben wir für Frau Komnick übernommen, das ist gut angelegtes Geld“, ist Huber überzeugt.

Rheinhessen-Fachklinik bildet ab Herbst selbst aus

„Über allem steht der Begriff Zuwendung“, sagt RFK-Pflegedirektor Frank Müller. Und diese spiele bei der Pflege eine ganz wichtige Rolle. Das habe auch der Gesetzgeber erkannt, und im Pflegegesetz die Möglichkeit der Einstellung von Alltagsbegleitern geschaffen. Die RFK will im Oktober in Zusammenarbeit mit dem CJD selbst Interessierte zur Betreuungskraft beziehungsweise zur Wohngruppenassistenz inklusive Betreuungskraft ausbilden und könne auch die dafür notwendige Zertifizierung nachweisen. Dies biete die Möglichkeit, die Berufseinsteiger noch passgenauer für die Fachklinik zu schulen. Dabei gibt es kein Alterslimit nach oben – auch nicht aus Sicht des Jobcenters.

„Lebenserfahrung sehe ich als eine ideale Voraussetzung für die Arbeit mit dementen Menschen“, sagt Müller. Junge Mitarbeiter hätten es ungleich schwerer, mit den dementen Senioren ins Gespräch zu kommen. Ein gewisses Alter und Lebenserfahrung seien ein Pfund, mit dem Bewerber durchaus wuchern können. Kleinert wünscht sich auch männliche Kräfte, die es leider so gut wie nicht gebe.

Formell müssen Bewerber volljährig sein, ein Führungszeugnis vorlegen, Interesse an der Arbeit mit alten Menschen haben und gute Deutschkenntnisse nachweisen. Zu dem, was sie in dem Kurs lernen, gehören Grundwissen zu Demenzerkrankungen, Methoden, Techniken und Verhalten im Umgang mit dementen Betreuungsbedürftigen, Beschäftigungsmöglichkeiten, Hauswirtschafts- und Ernährungslehre und Grundlagen der Kommunikation mit den altersverwirrten Menschen, aber auch mit Angehörigen und Kollegen.

Derzeit arbeiten 13 Betreuungskräfte bei der RFK, die über die Pflegeversicherung finanziert werden, die meisten arbeiten Teilzeit – aber in einem unbefristeten tariflichen Arbeitsverhältnis, wie Müller betont. Auch darüber freut sich Komnick. Denn ihr letzter befristeter Job in einer Bäckerei war weg, nachdem sie sich einer Operation hatte unterziehen müssen. Ihr jetziger Job ist da sicher und Anerkennung und Zuneigung ihrer Schützlinge sind ihr gewiss. „Frau Komnick ist für viele das Highlight des Tages“, sagt Huber.

Allgemeine Zeitung, 6. Juli 2018

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