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„Gegen Tabus und Stigmata“

20.09.2018, Arzt schult 40 Mitarbeiter der VG Wörrstadt im Umgang mit Demenzkranken

Von Pascal Schmitt

WÖRRSTADT Demenz geht alle etwas an. Davon ist Susanne Schwarz-Fenske, die Generationsbeauftragte der Verbandsgemeinde Wörrstadt, überzeugt. Denn Demenz findet eben nicht hinter verschlossenen Türen statt. „Auch deshalb sind die Enttabuisierung und das Auflösen von Stigmata so wichtig“, sagt Schwarz-Fenske. Einen Schritt hin zur demenzfreundlichen Gesellschaft hat die VG am Mittwoch getan. Demenzexperte Dr. Andreas Fellgiebel schulte 40 Mitarbeiter zu anerkannten „Demenz-Partnern“.

Ziel sei es, so Schwarz-Fenske, den Betroffenen und Angehörigen zu signalisieren, dass sie in der Verwaltung auf Menschen stoßen, die mit der Krankheit in der Alltagsbegegnung umzugehen wissen. „Berührung mit der Krankheit hatte schließlich jeder bereits“, sagt die Generationsbeauftragte. Mit der Schulung möchte sie sensibilisieren. Denn sowohl im privaten Umfeld als auch im Alltag oder eben auf der Arbeit gebe es immer wieder Situationen mit dementen Personen, die das nötige Feingefühl ihrer Mitmenschen erfordern. Doch dass der korrekte Umgang mit Erkrankten nicht immer einfach ist, weiß auch der Leiter der Gerontopsychiatrie des Landeskrankenhauses der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey.

Das Wichtigste im Umgang mit Betroffenen sei, Ruhe und Verständnis aufzubringen, sagt Fellgiebel. Erst recht, wenn die betagte Dame auf Anhieb dem Mitarbeiter nicht so ganz vermitteln könne, was sie denn überhaupt will. Oder wenn die Angehörigen der Erkrankten sich für das Verhalten ihres Partners oder Elternteils schämten, gelte es einfühlsam zu sein.

Demenzkranken mit Empathie begegnen

Mit einer Sache will die Generationsbeauftragte der VG allerdings aufräumen. Immer wieder lese sie, dass Wörrstadt „dementisch“ werde. Der Begriff sei vollkommen falsch gewählt. Schließlich bedeute Demenz so viel wie „ohne Geist“, sagt Schwarz-Fenske. Und ohne Geist soll nun wirklich keiner der VG-Mitarbeiter an die Sache rangehen, sagt sie. Viel mehr gehe es um Empathie. Ein Punkt, in dem ihr der Referent und Demenzexperte vollkommen zustimmt.

„Wer Demenz hat, der schämt sich dafür“, sagt Fellgiebel. Noch schlimmer sei die Situation bei den Angehörigen. „Oft denken sich die Menschen: Demenz? Das darf man nicht haben“, weiß der Chefarzt für Gerontopsychiatrie am Landeskrankenhaus in Alzey. Genau diese Denke müsse mit Empathie durch die Gesellschaft aufgebrochen werden. „Der Umgang mit den Menschen, die darunter leiden, ist das A und O“, sagt Fellgiebel. Denn die meisten Schwierigkeiten im Alltag entstünden durch Probleme in der Kommunikation. Hinzu kommt: „Demenzkranke suchen sich keine Hilfe“, sagt Fellgiebel. Bedeutet, wenn Demenzkranke nicht weiter wissen, sind sie oftmals auf die Interpretation ihrer Gefühle durch Mitmenschen angewiesen. Korrigieren, wenn die Worte im Gespräch nicht zusammenpassen, sei dabei völlig falsch. Das erzeuge lediglich Druck. Wichtiger sei es etwa, das Gespräch durch eine Frage in eine andere Richtung zu lenken, weiß der Demenzexperte.

„So lassen sich Stigmata auflösen und die Krankheit enttabuisieren“, sagt Schwarz-Fenske. Und das bewirke, dass die Hemmschwellen und Unsicherheiten gegenüber Demenzpatienten in der Gesellschaft abgebaut würden.

Allgemeine Zeitung, 20. September 2018

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