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Umzug und endlich Vergütung für Ausbildung

13.09.2019, Bedingungen für Absolventen der Physiotherapieschule Rhein-Nahe sind jetzt deutlich besser / In Hannah-Arendt-Straße Synergieeffekte mit Sportmediziner im Haus

Von Nathalie Doleschel

 

BAD KREUZNACH Seit zwei Jahren betreibt die Rheinhessen-Fachklinik Alzey die Physiotherapieschule Rhein-Nahe in Bad Kreuznach. Das hatte für die Schüler die angenehme Folge, dass sie endlich eine Ausbildungsvergütung von etwa 1000 Euro monatlich erhalten und nicht mehr – wie bisher üblich – ein Schulgeld von rund 360 Euro jeden Monat aus eigener Tasche zahlen müssen. Jetzt freuen sich Schüler wie Lehrer über eine weitere Verbesserung. Die Schule hat im Juni in der Hannah-Arendt-Straße 3 im General Rose-Park ihren Betrieb aufgenommen und feierte nun die offizielle Einweihung.

 

Vermieter ist der Sportmediziner und Unfallchirurg Dr. Jens Stening, der im Erdgeschoss des neu errichteten Gebäudes eine Facharztpraxis betreibt (AZ berichtete). Sein Know-how, das er als Dozent an die Schüler weitergibt, und die unmittelbare Anbindung an den Olympiastützpunkt Trampolin, was praktisches „Übungsmaterial“ am Patienten und Sportler verspricht, kommt den Azubis zugute. „Es ergeben sich Synergieeffekte, die nicht zu unterschätzen sind“, bedankte sich Dr. Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, für Stenings großen Einsatz, die Schule in Bad Kreuznach zu halten. „Am neuen Standort können wir Lerninhalte auf höchstem Niveau vermitteln. Wir hoffen, dass wir dadurch mehr junge Menschen für die Ausbildung gewinnen können.“

 

Das ist auch ganz im Sinn der Landesregierung und des Gesundheitsministeriums. Staatssekretär Dr. Alexander Wilhelm freute sich für die Azubis: „Sie haben die richtige Berufswahl getroffen, betrachtet man den demografischen Zustand in der Branche.“ Jetzt gehe es um die Qualität der Ausbildung und um die Modernisierung der Ausbildungsinhalte. Derzeit werde ein Rahmenlehrplan für Rheinland-Pfalz erstellt. Ob der Beruf künftig zum Studienfach wird, ist in lebhafter Diskussion. „Das, was wir von Physiotherapeuten verlangen, ist mehr als nur Bewegung am Patienten oder Sportler. Der Beruf verlangt eine hohe Eigenmotivation, und man braucht auch ein körperliches Stehvermögen, um in diesem Beruf glücklich zu werden“, sagt der Sportmediziner. Hürden wie ein Studium könnten gute Bewerber abhalten.

 

Stening und auch der ehemalige Träger IB, vertreten durch den Geschäftsführer der medizinischen Akademie, Wolfgang Dittmann, favorisieren die teilakademisierte, duale Ausbildung. „Schüler sollten deutlich mehr begeistert werden, das geht über Inhalte, aber auch über eine angemessene Vergütung“, sagt Dittmann. Und über neue attraktive Ausbildungsräume. Die Schüler sind mit Leidenschaft dabei. Wie Matthias Mauritz, der sein Hobby zum Beruf machte. Nach Studium und Ausbildung zum Fachinformatiker drückt er nochmals die Schulbank – für Physiotherapeuten. „Für mich ist das der schönste Beruf. Mir ging es darum, Lebensqualität für erkrankte Menschen zu verbessern und zu erhalten.“ Der Schulsprecher der Azubis kann sein Glück kaum fassen: „Kein Schulgeld mehr und eine neue Schule – besser geht’s nicht.“ Nun steht nur noch die tarifliche Anpassung der Lehrervergütung aus – das sei zunächst Sache der Schulaufsichtsbehörde, aber das Landeskrankenhaus habe nichts dagegen, versicherte Gaß mit Blick auf den Wettbewerb. Wertschätzung ist schließlich der Schlüssel zur Attraktivität des Berufs, findet Gaß.

 

Das kann Schulleiter Robert Stadel nur bestätigen. Teile seiner Ausbildung absolvierte er in den 90-er Jahren in England. Dort war Physiotherapie bereits ein Studienfach und wurde entsprechend besser honoriert. In Deutschland hat man – wie in allen heilenden und pflegenden Berufen – Nachholbedarf: Die Physiotherapie erreichte in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln 2015 den zweiten Platz in der Liste der Top-Ten-Engpassberufe und galt als besonders schwerwiegender Engpassberuf, mit teurer Aus- und Weiterbildung und später schlechter Bezahlung.

 

PHYSIOTHERAPIESCHULE RHEIN-NAHE 

 

Die Physiotherapieschule Rhein-Nahe am Standort Bad Kreuznach wechselte vom Internationalen Bund in die Trägerschaft der Rheinhessen-Fachklinik Alzey  . Ein Schulgeld wird nicht mehr erhoben, stattdessen erhalten die Azubis, die bei der Rheinhessen-Fachklinik Alzey angestellt sind, eine Vergütung von etwa 1000 Euro monatlich  . Ab Oktober sind alle 75 Schulplätze in drei Ausbildungsjahren vergeben. Bereits jetzt können sich Interessenten um einen Schulplatz für das Jahr 2020 bewerben.

 

Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Physiotherapeut dauert drei Jahre, aufgeteilt in 4500 Stunden Theorie und 1600 Stunden am Patienten in Kooperationseinrichtungen  . Unterrichtet wird in Fächern wie Anatomie und Physiologie, Radiologie, Innere Medizin und Neurologie.

 

Fünf Lehrer und 15 Honorarkräfte unterrichten an der Schule, seit über zehn Jahren ist Dr. med. Jens Stening  einer der Dozenten.

 

Allgemeine Zeitung, 13. September 2019

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