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Ziel ist mehr Lebensqualität

26.11.2010, Hunde als Therapiehelfer für Senioren in der Tagesstätte

Alle zwei Wochen besucht Hundetrainerin Inge Meyer mit Robin oder einem ihrer Golden Retriever Mara und Moritz die gerontopsychiatrisch-/ geriatrische Tagesstätte in der Rheinhessen-Fachklinik (RFK). 50 Frauen und Männer werden hier abwechselnd betreut, jeden Tag eine Gruppe aus 18 Senioren mit unterschiedlichen Pflegebedürfnissen. Verschiedene Krankheitsbilder kommen hier zusammen, Depression, Demenz, Nachwirkungen eines Schlaganfalls. Für alle ist die Hundetherapie auf gleiche Weise heilsam.

Mit großen treuherzigen Augen und wedelndem Schwanz begrüßt Robin die Runde, lässt sich bestaunen und tätscheln. Ein kleiner Trick ist dabei, denn abwechselnd hält jeder der Besucher dem Hund eine Tube mit Leberwurstpaste entgegen, die Robin hingebungsvoll ableckt. Damit ist das Eis ist gebrochen, der erste Kontakt hergestellt und so mancher traut sich auch schon, dem Hund das weiche Fell zu kraulen. „Ja, das machst du gut, das schmeckt dir“, lobt Inge Bürkle (89) und streichelt Robins Kopf. Die Seniorin wendet sich ihrem Nachbarn zu: „Haben sie auch einen Hund?“ „Mein Enkel hat Hunde“, antwortet Gustav Scondo (83) und sofort ist ein Gespräch in Gang. Interaktion und Kommunikation fördert das Tier schon allein durch seine Anwesenheit. „Da geht ein Fenster auf“, beschreibt Sozialpädagogin Bettina Koch die Reaktionen der Besucher. Gespräche entstehen, Erinnerungen an eigene Haustiere oder die Kindheit werden wach und Maria Kump, Fachkrankenschwester für Psychiatrie, bestätigt: „Unsere Besucher sind danach gelöster und entspannter.“ Leise singt Ruth Breckner (88) dem Hund, der sich auf ihre Knie stützt, ein Wiegenlied vor. Robin bleibt ein bisschen länger bei ihr und setzt dann seine Runde fort.

Der Kontakt mit dem Tier überbrückt auch typische Alterkrankheiten wie die Demenz. „Es geht uns auch darum, den Patienten mehr Lebensqualität zu bieten“, fasst Koch eines der Ziele der Hundetherapie zusammen. Im deutschen Sprachraum wurde die Therapie mit Tieren durch den österreichischen Verein „Tiere als Therapie“ (TAT) seit 1991 bekannt gemacht. Der Verein will mit Hilfe von Tieren eine bessere Integration von behinderten und alten Menschen erreichen, wie sie im angelsächsischen Raum schon seit langem üblich ist.

Scheinbar teilnahmslos sitzt ein Besucher in seinem Sessel, die Augen ins Leere. Ein Zustand nach mehreren Schlaganfällen, die Aufnahmefähigkeit, Beweglichkeit und Sehkraft sind stark eingeschränkt. Doch als Robin dem alten Mann seine feuchte Nase in die Hand drückt, reagiert er, tastet nach dem weichen Fell des Hundes. „Unser Ziel ist es, positive Fähigkeiten zu stärken“, betont Koch.

Inge Meyer leitet die TAT-Zweigstelle Rheinhessen und bildet selbst Therapietiere und ihre Halter aus. Schon länger besucht sie die gerontopsychiatrische Station der RFK. Nachdem Maria Kump im vergangenen Jahr dort hospitiert hatte, wünschte sie sich einen regelmäßigen Besuch des Vierbeiners auch für die Besucher der Tagespflege. Seit zwei Monaten nun stehen Robin und seine Kollegen alle zwei Wochen auf dem Programm. „Die Angehörigen fanden die Idee alle sehr gut“, weiß Kump.

Allgemeine Zeitung, 26. November 2010

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