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Demenz hat viele Gesichter

18.11.2013, Der Fotograf Michael Hagedorn zeigt seine anrührenden Fotos in der RFK

In diesem Jahr backt Oma nicht ihre leckeren Plätzchen zu Weihnachten. Sie habe keine Lust, sagt sie. In Wirklichkeit weiß sie jedoch einfach nicht mehr genau, wie es geht. Demenz hat viele Gesichter. Viele haben Schreckensbilder verlorener alter Menschen im Kopf. Doch diese Sicht wird den Betroffenen nicht gerecht. Dies beweist der Fotograf Michael Hagedorn in seiner Wanderausstellung „Demenz ist anders“.

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Darstellung des Alters, im speziellen mit der Darstellung von Demenzerkrankten. Die 20 ausdrucksstarken und anrührenden Aufnahmen zeigen mit künstlerischem Geschick und viel Gefühl für ihre Lebenssituation Szenen aus deren Alltag. Ganz authentisch und ohne viel Inszenierung. Da gibt es tanzende Senioren, einen Herren, der liebevoll seine alte Modelleisenbahn betrachtet, eine Dame, die aufgrund ihres eingeschränkten Gehvermögens einen Kopfschutz tragen muss, einen Herren, der Steine und Hölzer bemalt. Viele Bilder zeigen lachende, andere sehr würdevolle Gesichter.

„Gefürchtete Erkrankung“
„Die Würde der Menschen und ihre Freude am Leben stehen im Vordergrund“, betont Dr. Günther Gerhardt bei der Ausstellungseröffnung im Tagungszentrum der Rheinhessen Fachklinik (RFK). Michael Hagedorn gebe den Menschen, die in der Gesellschaft eigentlich unsichtbar seien, ein Gesicht, lobt der Vorsitzende der Landeszentrale für Gesundheitsförderung. Die Betroffenen hätten keineswegs ihre Persönlichkeit verloren, sondern könnten das Leben weiterhin genießen. Dennoch sei die Demenz eine sehr gefürchtete Erkrankung, weiß Frank Müller. Der Pflegedirektor und Heimleiter der Rheinhessen Fachklinik bezieht sich dabei auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

Doch nicht nur die Sorge um die eigene Gesundheit trieb die Befragten um: „25 Prozent hatten konkret Angst vor Kranken und 39 Prozent gaben an, unsicher im Umgang mit ihnen zu sein“, erzählt er. Dennoch löse die Demenz mehr Sympathie aus als andere psychische Erkrankungen wie Depressionen. Doch das ist nicht verwunderlich. „Manche Experten behaupten, jeder sei irgendwann davon betroffen, man müsse nur lange genug warten“, weiß Günther Gerhardt. Umso wichtiger ist also die richtige Pflege. „Das professionelle Wissen der Angehörigen ist oft schlechter als erwartet oder erhofft“, muss Dr. Gerald Gaß immer wieder feststellen. Darum fühlt sich der Geschäftsführer des Landeskrankenhauses auch über den Krankenhausbereich hinaus verpflichtet, zur umfassenden Information und Unterstützung beizutragen. Etwa durch geriatrische Tagesstätten, die die pflegenden Angehörigen nicht nur entlasten, sondern auch gleichzeitig im Umgang mit den Kranken schulen sollen. „Demenz ist eine Herausforderung, die uns alle angeht“, erkennt auch Anke Brockhaus-Dumke im Hinblick auf den weniger werdenden Pflegekräftenachwuchs für immer mehr Bedürftige. Etwa ein Drittel der 90-Jährigen leide an Demenz. Möglichkeiten der Prophylaxe oder gar Behandlung gebe es kaum, weiß die Ärztliche Direktorin der RFK.

Umso wichtiger ist es also, die Krankheit nicht weiter als Tabu zu behandeln, sondern sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die Wanderausstellung ist dabei nur der Auftakt zu einem ganzen Aktionsmonat zum Thema Demenz. Neben verschiedenen Vorträgen lädt die Rheinhessen Fachklinik bis zum 10. Dezember Betroffene, Angehörige und Interessierte zu Gottesdiensten, verschiedenen kulturellen Veranstaltungen ein.

Allgemeine Zeitung, 18. November 2013

Gemeinsam mit Vertretern des Kreises Alzey-Worms und der Stadt Alzey wurde in der Rheinhessen-Fachklinik die Ausstellung 'Demenz ist anders' eröffnet.
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