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Der lange Weg eines Traumes

09.10.2014, RÜCKBLICK Der Verein für Integration und Teilhabe am Leben wurde vor 30 Jahren gegründet

Dr. Wolfgang Guth hatte einen Traum: die Psychiatrie aus ihrem Schattendasein zu befreien. Teil dieses Traumes war es, chronisch psychisch Kranken zu ermöglichen, ein normales Leben innerhalb der Gemeinde zu führen.

„Als ich vor 30 Jahren die Führung der Rheinhessen-Fachklinik übernommen habe, gab es in der Region überhaupt keine Angebote für gemeindenahe Psychiatrie“, erinnert sich Guth. Zudem seien die drei Fachkliniken in Alzey, Andernach und Klingenmünster vollkommen überfüllt gewesen. „Ich war überzeugt, dass ein normales Leben in der Stadt den Patienten nur gut tun kann“, führt der Psychiater fort.

Das war allerdings schon das erste Problem: Diese Menschen waren auf dem Immobilienmarkt nicht vermittelbar. „Das hing natürlich mit den Vorurteilen der Vermieter zusammen“, erklärt er.

Dr. Guth gab seinen Traum nicht auf: Eine Trainingsstation wurde aufgebaut und die ersten psychisch Kranken wurden auf das Leben außerhalb der Klinik vorbereitet. Um die Wohnungssuche zu erleichtern, wurde der Verein für Integration und Teilhabe am Leben gegründet. „Er ist als Träger aufgetreten und hat die Wohnungen vermietet“, erklärt der Psychiater.

1985 durfte der erste Langzeitpatient in eine eigene Wohnung in der Stadt ziehen und wurde fortan dort von Mitarbeitern der Klinik versorgt. Das betreute Wohnen in Rheinland-Pfalz ist entstanden.

„Am Anfang war es schwer, die Kunden, wie wir sie nennen, zu überzeugen, wieder allein zu leben“, erläutert Guth. Denn nach vielen Jahren in der Klinik, wo sich andere um sie gekümmert haben, haben sie es verlernt, selbstständig zu sein.

Bald kamen die ersten Erfolge und „plötzlich wollten alle in der Stadt wohnen“. Insgesamt 90 Menschen wurden in 40 Wohnungen untergebracht. Mit der Zeit wurde klar, dass einige der Kunden eine Tagesstruktur brauchten. Die Tagesstätte Oase wurde gegründet, die zurzeit zwischen 27 und 37 Kunden betreut. Der 1985 gegründete Integrationsdienst vervollständigte die Aktivitäten des Vereins und fokussierte sich auf die Beratung und Betreuung von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben. Auf dem Plan des Vereins steht zurzeit ein weiteres, großes Projekt: kleinere familienähnliche Wohngruppen für Demenzkranke zu gründen. „Die Nachfrage ist groß, wir müssen nur eine Immobilie finden“, erklärt der Psychiater.

Ob sein Traum sich erfüllt hat? Dr. Guth wird nachdenklich: „Ganz hundertprozentig ist es uns bis heute noch nicht gelungen, die Psychiatrie zu entmythologisieren, aber wir sind auf dem richtigen Weg.“

Von: Neli Mihaylova

Allgemeine Zeitung, 9. Oktober 2014

 

 

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