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Nähe zum Patienten entscheidend

29.11.2014, Andreas Fellgiebel will als Chefarzt die Geronto-Psychiatrie an der RFK weiterentwickeln

ALZEY. Als er Zivildienst in einem Altenpflegeheim leistete, kam er das erste Mal intensiv mit Demenzpatienten in Kontakt. Damals reifte in ihm die Entscheidung, Medizin zu studieren und sich als Facharzt für Psychiatrie dieser Menschen anzunehmen. Heute gilt der 48-Jährige als einer der führenden Demenzforscher in Deutschland. Im Oktober hat Professor Dr. Andreas Fellgiebel seine Stelle als Chefarzt der Geronto-Psychiatrie in der Rheinhessen-Fachklinik (RFK) angetreten. Den Wechsel von der Universitätsmedizin Mainz ins beschauliche Alzey hat er nicht bereut: „Ich wurde hier sehr offen empfangen und fand ein motiviertes Team sowie eine gute Qualität der medizinischen Versorgung vor“, sagt Fellgiebel. Zusammen mit seinem Team will er die Abteilung weiterentwickeln. 

Umweg übers Gehirn 
Dass er einmal diesen beruflichen Weg einschlagen würde, war dem in Baesweiler bei Aachen geborenen Mediziner nicht in die Wiege gelegt: der Vater Kriminalbeamter bei der Mordkommission, die Mutter Inhaberin eines Friseursalons. In Jülich ging Fellgiebel zur Schule und machte dort Abitur. In Köln und Marburg studierte er Medizin und Philosophie. „Ursprünglich wollte ich in die Psychiatrie“, blickt Fellgiebel auf seine Studienzeit zurück. Doch die Art und Weise, wie das Fach in Marburg gelehrt wurde, war ihm zu nebulös. Also wendete er sich der Neurologie zu und trat seine erste Stelle an der Uniklinik Nürnberg/Erlangen an. Im Zuge der Facharztausbildung musste er ein Jahr Tätigkeit in der Psychiatrie nachweisen und ist dazu 2001 an die Uniklinik nach Mainz gegangen, wo er sich mit Forschung und Diagnostik von Alzheimer beschäftigte. „Über den Umweg des Gehirns bin ich zur Psychiatrie gekommen“, merkt Fellgiebel an, für den feststeht, dass alle psychischen Erkrankungen ihren Ursprung im Gehirn haben. 2004 absolvierte er die Facharztprüfung und wurde direkt als Oberarzt an der Unimedizin Mainz angestellt. Was ist für ihn das Spannende an der Psychiatrie? Spontane Antwort: „Die Beschäftigung mit der faszinierenden Funktionsweise des Gehirns. Es ist das Organ, das wir immer noch nicht verstehen.“ In seinem Selbstverständnis als Arzt ist es die Empathie, die er täglich seinen Patienten entgegenbringen muss, die diese medizinische Fachrichtung ausmacht. „Es ist die Nähe zum Patienten und dessen Familie“, betont Andreas Fellgiebel. Denn das Umfeld des Patienten ist bei der Behandlung psychischer Störungen von großer Bedeutung. „Auch wenn die Krankheit unheilbar sein sollte, können wir helfen, indem wir die Lebensumstände verbessern und dazu ist der Kontakt zu der Familie enorm wichtig.“ Dabei spielt auch Ehrlichkeit eine Rolle. „Wir müssen die Angehörigen darauf vorbereiten, was kommt. Nichts schönreden, aber Wege aufzeigen, wie man mit der Situation umgeht“, beschreibt der Chefarzt seine Aufgabe und die seiner Kolleginnen und Kollegen. Anders als in vielen anderen medizinischen Disziplinen befasst sich in der Geronto-Psychiatrie ein multiprofessionelles Team mit der Behandlung der Patienten. „Der Arzt kann nicht alles“, bringt es Fellgiebel auf den Punkt. Ihm zur Seite stehen in der Alterspsychiatrie Physio-und Ergotherapeuten, Sozialdienst und Psychologen.

Bessere Medikamente
Doch Andreas Fellgiebel ist nicht nur Arzt, sondern auch Forscher: „Die Experten sind sich sicher, dass Demenz im fortgeschrittenen Stadium auch in Zukunft nicht heilbar ist, aber wenn sie früh diagnostiziert wird, lässt sich die Krankheit stoppen.“ Er selbst ist an der Entwicklung einer Substanz beteiligt, die Erfolg bringen könnte. Er geht davon aus, dass schon in wenigenJahren Medikamente auf dem Markt sein werden, die die Krankheit deutlich besser aufhalten, als dies bislang möglich ist. In der Volkerstadt selbst war der neue Chefarzt noch nicht, das will er demnächst mit seiner Frau Moira, die selbst Ärztin und Psychiaterin ist und maltesische Wurzeln hat, und den beiden kleinen Kindern nachholen. Die älteste Tochter studiert Wirtschaftswissenschaften. Bevor die Kinder zur Welt kamen, waren die Fellgiebels begeisterte Taucher. Eine weitere Passion ist die Oper. „Da haben wir im Rhein-Main-Gebiet ein gutes Angebot“, sagt der Mediziner, der - sollte ihm sein Beruf und die vielen Kongresse und Expertenrunden dazu Zeit lassen - auch gerne liest. „Und wenn es geht, auch einfach mal faulenzt“, wie er schmunzelnd hinzufügt.

Von: Thomas Ehlke

Allgemeine Zeitung, 29. November 2014

 

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